Gütesiegel gegen Schmerzen

Professor Michael Zenz, Leiter der Certkom, überreichte dem Katholischen Klinikum Koblenz das Zertifikat „Qualifizierte Schmerztherapie“.
 
Als erstes Schwerpunktkrankenhaus in Rheinland-Pfalz erhielt das Katholische Klinikum Koblenz das Zertifikat „Qualifizierte Schmerztherapie“. Damit bescheinigt die Certkom, an der medizinische und pflegerische Fachverbände beteiligt sind, dem Klinikum eine erfolgreiche und effiziente Schmerztherapie in den operativen Abteilungen Orthopädie, Chirurgie, Wirbelsäulenchirurgie und HNO. Im Katholischen Klinikum wurde in den letzten Jahren ein Schmerzdienst eingerichtet. Hier arbeiteten weitergebildetes Pflegepersonal und Ärzte im Team zum Wohle der Patienten.
 
Das Katholische Klinikum Koblenz hat sich unter der Leitung von Prof. Malte Silomon, Chefarzt Anästhesie/Intensivmedizin, im Brüderhaus und im Marienhof ausgiebig mit dem Thema Schmerztherapie auseinandergesetzt. In interdisziplinären Arbeitsgruppen wurden bestehende Standards überarbeitet und vereinheitlicht. Diese Maßnahmen greifen, denn in den im Rahmen der Zertifizierung durchgeführten Befragungen bescheinigten die Patienten eine gute Schmerztherapie. Laut einer Studie haben 40 Prozent der Patienten in deutschen Krankenhäusern nach einem Eingriff starke Schmerzen. Nicht so im Katholischen Klinikum: „Durch standardisierte Abläufe ist es uns gelungen, die Schmerzen nach der Operation deutlich zu reduzieren. Ganz vermeiden kann man die Schmerzen nicht“, so Prof. Silomon. Wenn möglich werden intraoperativ Schmerzkatheter eingesetzt, die das Schmerzmittel direkt ins Operatons-gebiet abgeben. Wenn das nicht möglich ist, werden die Patienten mit Tabletten oder Infusionen behandelt.
 
Die Schmerzintensität wird mindestens zwei Mal am Tag kontrolliert und dokumentiert. Da das Schmerzempfinden und die Reaktion auf ein Medikament von Patient zu Patient unterschiedlich ist, legt der Patient den Grad seines Leidens auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 fest. Dies ist Voraussetzung für eine individuell angepasste Schmerztherapie. „Bei uns muss Niemand seine Schmerzen tapfer ertragen. Da wir zum Thema Schmerz schon am Aufnahmetag informieren und postoperativ regelmäßig nach Schmerzen fragen, können wir Ängste abbauen“, beschreibt Katja Himpler, pflegerische Leitung des Schmerzdienstes. Schriftlich festgelegte Pläne regeln verbindlich, wann der Arzt hinzugezogen werden muss und wann das Pflegepersonal selbstständig etwas gegen die Schmerzen tun kann. So geht keine wertvolle Zeit verloren und Einzeldosen der Schmerzmittel können häufig niedriger ausfallen, da sie effektiver wirken, je schneller die Therapie greift.
Das Besondere an der Auszeichnung "Qualifizierte Schmerztherapie": Im Unterschied zu anderen Zertifizierungsprojekten kann sie nicht von einzelnen Abteilungen einer Klinik erworben werden, sondern alle Abteilungen müssen teilnehmen. Zusätzlich wird das Zertifikat nur vergeben, wenn mehr als die Hälfte der Patienten mit der schmerztherapeutischen Versorgung zufrieden sind. Im Koblenz wurde jetzt die postoperative Schmerztherapie überprüft. Als zweiter Schritt wird in diesem Jahr die Behandlung chronischer Schmerzen standardisiert und für die Zertifizierung vorbereitet werden.
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