Für Polio-Patienten führt der Weg nach Koblenz

Über 200 Besucher folgten der Einladung zum 10. Poliotag ins Therapiezentrum am Brüderhaus. Der Polio-Tag wurde gemeinsam von der Polio-Selbsthilfe-gruppe und dem Polio-Zentrum am Katholischen Klinikum veranstaltet und richtete sich an Betroffene, Angehörige und an der Behandlung Beteiligte. Unter dem Motto „Von der Kinderlähmung zum Post-Polio-Syndrom“ rückte die diesjährige Veranstaltung die Spätfolgen der Polio in den Mittelpunkt.

 

„Die Auftragsbücher sind voll“ fasste Dr. Axel Ruetz die Situation am 10. Polio-Tag zusammen und unterstrich damit die große Bedeutung des Polio-Zentrums am Katholischen Klinikum. Immer mehr Patienten suchen die Polio-Schwerpunkt-Ambulanz auf und lassen sich auch stationär interdisziplinär behandeln. Denn als einziges Krankenhaus in Deutschland verfügt das Katholische Klinikum über eine Abteilung für an Kinderlähmung erkrankte Menschen. „Polio ist ein multidisziplinäres Problem“, so Ruetz. „Deshalb ist die enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen medizinischen Fachbereiche: Neurologie, Orthopädie, Schmerztherapie und Lungenheilkunde extrem wichtig.“ Auch die Physiotherapie spiele bei der Erstellung eines individuellen Therapiekonzeptes eine wichtige Rolle. Margit Lindermann die Vorsitzende der Polio- Selbsthilfegruppe freut sich, dass die Anliegen der Postpoliobetroffenen einen derart kompetenten Ansprechpartner gefunden haben.

 

In verschiedenen Fachvorträgen konnten sich die interessierten Besucher über das Polio-Zentrum am Katholischen Klinikum und die dortigen Therapieansätze informieren. So erläuterte zunächst Prof. Sieghart Dittmann, ehemaliges Mitglied der Impfkommission des Robert-Koch-Instituts in Berlin, die Entwicklung und den Stellenwert der Polio-Impfung. „Denn obwohl Europa seit 2002 von der WHO als poliofrei erklärt wurde, ist das Virus heute noch in über 16 Ländern der Welt aktiv“, so der Impfspezialist. Anschließend informierte der Chefarzt der Neurologie, Prof. Johannes C. Wöhrle, über die Entstehung des Post-Polio-Syndroms. Erst Jahrzehnte nach überstandener Krankheit tritt dieses mit Symptomen wie starker Müdigkeit, Schmerzen und Lähmungen auf.

 

Begleitend zum Polio-Tag bot das Gesundheitsamt eine Impfaktion an. Über 100 Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr und ließen sich von dem Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Jürgen Otten, gegen die Kinderlähmung impfen.

 

Poliotag 2009
Von links nach rechts: Dr. Axel Ruetz, Alfred Gilles und Margit Lindermann (Vorsitzende im Landesverband Rheinland-Pfalz im Bundesverband Polio e.V.)
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